InsurTech versus klassische Versicherer

Die Digitalisierung implizierte in den vergangenen Jahren in den meisten Branchen umfassende Veränderungen und bedroht auch im Versicherungsmarkt das klassische Geschäftsmodell. Drei Herausforderungen die es dabei zu bewältigen gilt.

Während die Versicherungsindustrie früher durch strenge regulatorische Anforderungen, einen hohen Kapitalbedarf, eine für die Berechnung der Versicherungsprämien notwendige, fundierte Datenbasis, sowie hohe Eintrittsbarrieren definiert wurde, rücken heute neue, digitalaffine Wettbewerber in den Vordergrund. Es entstehen vermehrt junge Unternehmen, die mit innovativen Ideen und massiver Datennutzung neue Lösungsansätze und ein Umdenken der klassischen Versicherungsindustrie erzwingen. 

Mit den technischen Möglichkeiten haben sich auch die Kundenbedürfnisse signifikant verändert. Der heutige Kunde verlangt zunehmend personalisierte, emotionale, flexible, effiziente und einfache Services, am besten On-Demand. Doch die Versicherungsgiganten können sich aufgrund ihrer Grösse und der Komplexität ihrer Wertschöpfungskette nicht so schnell an diese Veränderungen anpassen und hinken mit ihrem Geschäftsmodell dem Angebot der neuaufkommenden Start-Ups in der Versicherungsbranche – den sogenannten InsurTechs – hinterher. Gleichzeitig wird die Kundenzufriedenheit in der Versicherungsbranche laut Statistiken im Vergleich zu anderen Industrien generell unterdurchschnittlich bewertet, was wiederum in geringer Markenloyalität resultiert. Wie gelingt es den klassischen Versicherungsanbietern also, ihr Geschäftsmodell an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, damit sie von InsurTechs mit ihren disruptiven Innovationen nicht überholt werden? Zur Beantwortung dieser Frage, müssen folgende drei Herausforderungen genauer betrachtet und beantwortet werden: 

1) Nutzen

InsurTechs sind aufgrund ihrer verkürzten und einfacheren Wertschöpfungskette näher am Kunden und können somit von einem direkten Kommunikationskanal profitieren. Durch diesen gestalten sie ihre Kommunikation persönlich und sprechen gezielt die spezifischen Bedürfnisse der Kunden an. Der Kunde möchte nicht wirklich ein Versicherungs-Produkt kaufen, sein Bedürfnis ist es jedoch abgesichert zu sein, woraus er einen Nutzen zieht. Wird dieses Bedürfnis emotional angesprochen und als Serviceleistung angeboten, differenziert der Kunde nicht nur über die Preis-Komponente, sondern auch über in ihm geweckte Emotionen und Erlebnisse. Auch klassische Versicherungsunternehmen sollten das Versicherungsgeschäft in Zukunft deshalb verstärkt als Service-Leistung mit inkludierter Customer Experience betrachten und sich vom Produkt-Denken in Richtung Service-Denken bewegen. Dies kann beispielsweise dadurch angegangen werden, indem unsichtbare Versicherungslösungen durch Bündelungen mit Produkten bereits am POS angeboten werden oder indem Geschichten über Versicherungen erzählt werden. Hierbei gilt voll und ganz das Motto „Insurance as a service“. 

2) Geschwindigkeit

InsurTechs können aufgrund ihrer geringen Grösse nicht nur viel schneller auf veränderte Kundenbedürfnisse reagieren, sie profitieren ausserdem von der Bereitschaft der Kunden, für personalisierte Services grosse Mengen an Daten zur Verfügung zu stellen. Bei grossen Versicherungskonzernen ist die dafür notwendige Vertrauensbasis heute oft nicht gegeben. Deshalb ist es zwingend, die Risikoeinstufung, die Preiskalkulation sowie die Datennutzung transparent zu machen und offen zu kommunizieren, um das nötige Vertrauen auf Kundenseite herzustellen. Die Bereitschaft, Daten zu teilen, steigt somit an, was im Endeffekt stärkere Datenquellen und eine personalisierte Leistung in kurzer Zeit mit sich bringt.

3) Kollaboration

Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden digitale Angebote im Versicherungsmarkt zum Standard. Aus diesem Grund sollte in Grossunternehmen jede Abteilung konsequent auf die veränderten Bedürfnisse des Marktes ausgerichtet werden. Dies erfordert nicht nur einen gezielten Aufbau von Kapazitäten und Kompetenzen, sondern auch eine umfassende Zusammenarbeit der verschiedenen Units im Betrieb. Da die grossen Versicherungsunternehmen in Bezug auf digitale Anwendungen viel von InsurTechs lernen können, sollten die Start-Ups deshalb nicht nur gefährliche Konkurrenten darstellen, vielmehr sollten Kollaborationen eingegangen werden, um von beidseitigen Vorteilen zu profitieren und den vorhandenen Kuchen gemeinsam zu maximieren.

Können klassische Versicherungsunternehmen eine konsequente Kundenorientierung umsetzen, eine auf Vertrauen basierende, fundierte Datenquelle aufbauen und gezielte Kollaborationen mit InsurTechs eingehen, so besteht die grosse Chance, dass sie in einem neuen Markt mit sich verändernden Rahmenbedingungen bestehen. 

 

La Bella Consulting sieht Veränderungen als Chance und unterstützt Kunden methodisch in der Gestaltung von innovativen Produkten und Services. Das umsetzungsstarke und innovative Beraterteam legt Wert auf eine intensive Zusammenarbeit mit ihren Kunden. Das Ergebnis sind nachhaltige Lösungen mit denen sie ihrer Zukunft einen Schritt voraus sind.

30. Januar 2018 / Jennifer Christen