InsurTech Trends: Plattformen und Eco-Systems

Die Digitalisierung stellt die Versicherungsindustrie vor grosse Herausforderungen. Insbesondere InsurTech-Startups haben das Potenzial, die etablierte Wertschöpfungskette mit ihren sehr fokussierten Angeboten aufzubrechen. Für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg bietet sich die Zusammenarbeit zwischen InsurTech-Start-ups und klassischen Versicherern an. Plattformen und Eco-Systems sind zwei Modelle, wie diese aussehen könnte.

Wie anderen Branchen vor ihr, steht auch der Versicherungsbranche eine Digitalisierungswelle bevor. Technologische Fortschritte in der Datensammlung und -auswertung (Artificial Intelligence, Big Data, Internet of Things), der Datenspeicherung (Blockchain, Cloud Computing) sowie in Kommunikation und Sales (mobile Geräte, Apps, Chatbots, Robo-Berater, Soziale Netzwerke, VoIP) bieten der Branche nicht nur grosses Potenzial, sondern können für manch traditionellen Marktteilnehmer auch grosse Unsicherheit für das eigene Überleben bedeuten.

InsurTech-Start-ups hingegen stehen an vorderster Front der technologischen Entwicklung und bedrohen die Wertschöpfungskette der Versicherungen. Sie bieten oft fokussierte, innovative Lösungen an und machen damit der etablierten Konkurrenz Teile ihres Geschäfts streitig. Sie verbessern User Experience und Marketing-Kanäle, entwickeln effizientere Bewertungsmethoden oder bieten völlig neue Versicherungs-Produkte an. Doch während sich die InsurTechs durch Diversität und Dynamik auszeichnen, verfügen sie meist nicht über den Zugang zu einer breiten Masse von Kunden. Sie sind als Marken unbekannt und hinken den etablierten Versicherern in Sachen Branchenkenntnis und rechtlichem Know-how häufig hinterher.

Dass eine Zusammenarbeit sowohl Start-ups als auch etablierten Unternehmen Vorteile bringen kann, ist bekannt – doch wie genau sollte sie aussehen? Zwei auf den ersten Blick ähnliche Lösungen bieten sich an:

Versicherungs-Plattformen

Plattformen sind Portale, über die verschiedene Anbieter der Versicherungsindustrie ihre Produkte und Dienstleistungen vertreiben. Vergleichsplattformen wie comparis.ch sind gute Beispiele, doch erstellen Versicherer auch eigene Plattformen, auf denen sie nicht nur eigene, sondern auch Produkte von InsurTechs anbieten. Das breitere Angebot erhöht den Nutzen aus Kundensicht, und daraus entstehende Netzwerkeffekte können die Nachfrage weiter ankurbeln. Zwischen Plattform-Anbietern und InsurTechs wächst eine Win-Win-Beziehung, die für die weitere Zusammenarbeit förderlich ist. Viele InsurTechs bieten ihre Lösungen bereits heute als «White Labels» an, die etablierte Versicherer im eigenen Design und über bestehende Kanäle vertreiben.Dass eine Zusammenarbeit sowohl Start-ups als auch etablierten Unternehmen Vorteile bringen kann, ist bekannt – doch wie genau sollte sie aussehen? Zwei auf den ersten Blick ähnliche Lösungen bieten sich an:

Versicherungs-Eco-Systems

Im Gegensatz zu Plattformen integrieren Eco-Systems diverse Produkte und Dienstleistungen, die sich zum Teil ergänzen, zum Teil sogar in Konkurrenz zueinanderstehen und Branchengrenzen überschreiten. Im Zentrum steht der Kunde mit seinen Bedürfnissen: Kauft er ein neues Smartphone, wird ihm die Versicherung gleich mit angeboten. Bestellt er eine neue Kinder-Zahnbürste, erhält er ein Angebot für die entsprechende Zahnzusatzversicherung. Der Kunde erhält dadurch einen einfacheren und übersichtlicheren Zugang zu allen integrierten Angeboten, die Anbieter profitieren wiederum von Netzwerk- und Lern-Effekten und den zusätzlich gesammelten Kundendaten.
Ein gutes Beispiel ist die japanische Firma Rakuten mit ihrem Ziel, eines der weltgrössten Eco-Systems zu werden. Rakuten wurde vor rund 20 Jahren gegründet und ist mittlerweile in allen möglichen Industrien tätig: Ob Energie, Kosmetik, Sport oder eben Versicherung, Rakuten integriert rund 70 Unternehmen und zählt ca. 1,1 Milliarden Mitglieder. Ein System von Loyalitätspunkten und eigener Blockchain-basierter Währung hält die Kunden im Eco-System. Mit der Rakuten-Kreditkarte können sie bequem und über einen Zugangspunkt alle möglichen Produkte und Dienstleistungen kaufen oder Finanzdienstleistungen wie Hypotheken und Wertpapierhandel in Anspruch nehmen.
Diverse entstehende Eco-Systems können von Versicherungs-Subsystemen profitieren, die zu ihren Produkten und Dienstleistungen passende Versicherungsangebote diverser Anbieter beisteuern. Ein solches Subsystem kann von etablierten Versicherungsunternehmen betrieben werden und integriert wiederum sowohl klassische Angebote als auch vielfältige Ideen von InsurTechs.

Während Plattform-Modelle dem Kunden einen einheitlichen Zugang und eine breitere Produktepalette bieten, gehen Eco-Systems einen Schritt weiter und verbinden Versicherungen direkt mit den versicherten Gegenständen und Dienstleistungen. Beide Modelle erlauben die Zusammenarbeit etablierter Unternehmen und innovativer InsurTechs – und das kundenorientiert, schnell und flexibel. Ein früher Einstieg von etablierten Versicherungsunternehmen in schnell wachsende Eco-Systems kann diesen eine leitende Rolle neben den wahrscheinlich dominanten Technologieunternehmen wie Google, Amazon oder Alibaba sichern, macht sie aber abhängig von den jeweiligen Systempartnern. Plattform-Modelle hingegen erlauben eine grössere Unabhängigkeit und den Fokus auf Versicherungsprodukte, nutzen aber Netzwerkeffekte und verschwimmende Industriegrenzen weniger aus.

Die Zukunft wird zeigen, ob sich einmal aufgebaute Plattformen langfristig zu Eco-Systems umwandeln können. Unabhängig davon, für welchen Weg sich Versicherer entscheiden, eine frühzeitige Auseinandersetzung mit diesen zukunftsträchtigen Geschäftsmodellen lohnt sich in jedem Fall.

 

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22. Juni 2018 / Res Nobs